Traumahilfe ermöglichen.
Weltweit!

Ausbildungskonzept

Die Behandlung von traumatisierten Bevölkerungsgruppen sollte grundsätzlich nur in der jeweiligen Landessprache und durch mit den lokalen Lebensverhältnissen vertraute Therapeuten erfolgen. Daher steht deren Ausbildung im Zentrum der Projektvorhaben.

Dabei sind ganz unterschiedliche Eingangsvoraussetzungen der Teilnehmer zu berücksichtigen. Sie reichen von denen des Psychiaters oder Arztes, der bislang vornehmlich Pharmaka verschrieb, über erfahrene klinische Psychologen bis zur jungen Sozialarbeiterin ohne formale Ausbildung in einem Flüchtlingslager.

Entsprechend flexibel müssen die Ausbildungskonzepte für die jeweiligen Situationen gestaltet werden. Gemeinsam ist ihnen ihre Orientierung an europäischen Ausbildungsstandards.

Der Aufbau der Trainings beginnt mit einem Grundkurs in Psychotraumatologie der in die spezielle Problematik der Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen einführt. Darüber hinaus wird als Basis jeder Traumabehandlung die Stabilisierung des Patienten fokussiert.

Kernstück des zweiten Trainings ist der erste Teil eines EMDR-Trainings, einer Methode, die mit Hilfe von bilateraler Stimulation (Augenbewegungen, Töne oder kurze Berührungen) den Aufbau psychischer Kräfte (Ressourcen) und die Bearbeitung belastender (traumatischer) Erlebnisse, fördert.

Hauptthema sind im dritten Training, dessen Teilnehmer über entsprechende klinische Erfahrung verfügen müssen, die Diagnostik und Behandlung von komplexen Traumatisierungen und von dissoziativen Störungen.

Ein Spezifikum aller Trainings ist, dass zwischen den jeweils etwa einwöchigen Ausbildungsabschnitten Monate der aktiven Anwendung in der Behandlung von Klienten liegen. Um die Qualität der Behandlungen der Teilnehmer zu überprüfen, werden zudem regelmäßige Supervisionen zwischen den Trainings durchgeführt.

Ein weiteres Merkmal der Trainings und eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass das Ausbildungskonzept sich nach einer mehrjährigen Aufbauphase im jeweiligen Land selbst tragen kann, ist die Einbeziehung bereits ausgebildeter lokaler Therapeuten als Supervisoren/ Facilitatoren bzw. als Trainer in den nachfolgenden Trainings.

In den letzten beiden Jahren wurde Trauma Aid verstärkt damit konfrontiert, dass in den vielen Krisengebieten kein aussreichendes Fachpersonal für den hohen Bedarf an psychologischer Betreuung zur Verfügung steht. Darauf haben wir mit einem Ausbildungskonzept für nicht professionelles Betreuungspersonal reagiert das sich TPSS+ nennt:

T) Trauma – fokusiert

(PSS) Psycho-Sozialer Support

(+) plus Anwendung von EMDR -Elementen zur Verankerung durch langsame bilaterale Stimulation

Dieser Ansatz von Trauma Aid berücksichtigt die fachlichen Interessen und Bedürfnisse der helfenden Berufe wie Sozialarbeiter / Psychologen und andere vor Ort in den Flüchtlingscamps. Gelehrt werden Trauma-erkennung, Stabilisierung, Auswirkungen von Traumata auf das Familiensystem, Umgang mit Trauer, geschlechtsspezifische Vorgehensweisen und Gruppeninterventionen. Ausgehend von Erwachsenen wird ein erheblicher Teil (> 50 %) der Interventionen auf Kinder und Jugendliche bezogen.

Grundlage der Überlegungen ist der feste Wille, diese Kindergeneration, die Kriege erlebt hat, nicht zu einer verlorenen Generation werden zu lassen.  Dazu bedarf es guter Kenntnisse bei den Helfern über die Auswirkungen von Traumata und Möglichkeiten der Entlastung der Betroffenen.