Traumaprojekte weltweit.

Problemlagen

Krieg und Vertreibung / Interpersonelle Gewalt / Naturkatastrophen

Kriegerische Auseinandersetzungen haben in der Menschheitsgeschichte schon immer traumatische Erlebnisse mit sich gebracht, deren Folgen sich etwa nach dem 1. Weltkrieg als „Kriegsneurosen“ bemerkbar machten. Aber auch heute noch bleiben weltweit die meisten traumatischen Störungen aufgrund kriegerischer Ereignisse unbehandelt, obwohl es inzwischen wirksame, wenngleich nur mit hohem organisatorischem Aufwand anwendbare Therapiemethoden gibt.

Neben die psychischen Folgen militärischer Gewalt treten zudem in vielen Teilen der Welt von Konflikten ausgelöste Fluchtbewegungen, die aber meist nicht in wiedergewonnener Sicherheit, sondern in prekären und oft nicht nur temporären Lagersituationen enden. Die Behandlung vorangegangener Traumata sieht sich bei diesen im „Limbo“ lebenden Bevölkerungsgruppen ganz neuartigen Herausforderungen gegenüber, weil ohne eine gleichzeitige Stabilisierung der Lebensumstände eine psychische Stabilisierung nur schwer eintreten kann.

Auch die Behandlung der Folgen von interpersoneller Gewalt, insbesondere häuslicher und sexueller Gewalt, ist dadurch gekennzeichnet, das Gewalt unter Menschen zwar eine besonders gravierende Ursache von dauerhaften Traumaschäden ist, ihre aufdeckende Bearbeitung aber stark schambesetzt ist und von problematischen kulturellen Mustern behindert wird. Zudem besteht bei diesen Gewalttätigkeiten oft Wiederholungsgefahr, was bei den Therapeuten eine genaue und gute Kenntnis der Lebensumstände ihrer Klienten voraussetzt. Gegebenfalls müssen andere Familienangehörige in die Therapie mit einbezogen werden.

Die Folgen von Naturkatastrophen, auch wenn ihr Ausmaß wie etwa beim Tsunami von 2014 im Indischen Ozean die menschliche Vorstellungskraft überfordert, nehmen einen vergleichsweise milderen Verlauf, dh die meisten traumatischen Erfahrungen werden auf dem Wege der Selbstheilung integriert. Trotzdem bedarf vor allem wegen der oft problematischen posttraumatischen Lebenssituationen (fragmentierte Familien, ökonomische Not) oder wegen vorangegangener Belastungen ein Teil der Bevölkerung (ca 15%) einer guten therapeutischen Behandlung.

Angesichts des weltweit ungeheuerlich großen Bedarfs und trotz der massiven Schwierigkeiten, die sich bei der Behandlung im einzelnen stellen können, ist die Geschichte der Traumabehandlung, dort wo sie in den letzten Jahren stattgefunden hat, eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte. Durch eine kulturell sensible Anpassung an verschiedene Lebenssituationen können moderne Behandlungsmethoden auch dort mit nachweisbarem Erfolg angewendet werden, wo die lokalen Bewältigungsmuster nicht mehr ausreichen. Mitunter lassen sich die „importierten“ und die lokalen Methoden sogar kombinieren.